Bildungsdokumentation

Bildungsdokumentation

Aufgrund der zunächst befristeten Betriebserlaubnis, aber auch mit dem Wissen, dass wir als Waldkindergarten in einem besonderem öffentlichen Interesse stehen, war uns von vorne herein wichtig, die Umsetzung der in unserer Konzeption beschrieben Ziele zu dokumentieren.

Wir legten Herbarien an, zusätzlich gab es Künstlermappen, Abschiedsbriefe mit Fotos, in denen die Entwicklung der Kinder schriftlich und bildlich festgehalten wurden und noch verschiedenes mehr. Die Dokumentation war fast ausschließlich Arbeit der ErzieherInnen.

Seit Januar 2005 haben wir eine weitere Form der Bildungsdokumentation gefunden Nun dokumentieren unsere Kinder ihre Entwicklung selber – und das mit großem Eifer und Freude.

Jedes Kind gestaltet eine eigene Mappe, die sogenannte „Wissenschaftlermappe“. Eigentlich ein Fotoalbum in DIN A 5- Größe, optisch ansprechend gestaltet, an dem ein Band befestigt ist, um sie zugänglich an die Wand zu hängen.

Während der „Schnuppertage“ machen wir schon eine Porträtaufnahme und erste Fotos des neuen Kindes, so dass es am ersten Kindertag schon eine eigene Mappe hat und sofort loslegen kann. Das gibt dem neuen Kind gleich ein wunderbares Gefühl von Dazugehörigkeit.

In die Wissenschaftlermappe kommen Fotos, gepresste Pflanzen, Fundstücke wie kleine Federchen, Bilder und Gebasteltes zu Bilderbuchbetrachtungen, Fotos und andere Erinnerungen an Feste oder Ausflüge, Rezepte, Lieder und vieles mehr.

Mit der Wissenschaftlermappe erstellt jedes Kind ein ganz persönliches Erlebnisnachschlagewerk, sein Lerntagebuch.

Wenn die Kinder an ihren Wissenschaftlermappen arbeiten, sitzen sie meist zu mehreren am Tisch. Bis zur freien Seite wird jede Seite noch mal angeguckt und kommentiert. Da jede Mappe unterschiedlich ist, gucken die Nachbarkinder immer wieder gerne mit, so dass wir viel Zeit einkalkulieren müssen. Lieder werden wieder gesungen, ganze Bilderbücher werden erzählt, Ausflüge und Feste werden bis ins Detail besprochen, Fundorte von Wildkräutern werden erinnert, natürliche Entwicklungsprozesse, wie von der Raupe zum Schmetterling oder vom Krötenlaich zur Kröte werden verinnerlicht, die Zeit der Holunderküchle wird gemeinsam herbeigesehnt… .

Die Erlebnisse werden so verinnerlicht und nebenbei beobachten die Kinder ihre eigene Entwicklung und die Entwicklung der Natur. „Da war ich drei, da hatte ich ja die Jacke an, die passt mir jetzt nicht mehr“, oder „Guck` mal, letztes Jahr habe ich die Schneeglöckchen noch so gemalt, da war ich drei“ oder sie stellen noch mal fest, wie die verschiedenen Plätze zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten aussehen.

Zu unserer Freude erleben wir, dass durch diese Verinnerlichung durch Wiederholung auch die Achtung vor der Natur verstärkt wird. Hierzu ein Beispiel:

Wir hatten ein Brennnessel-Projekt, bei dem wir Brennnesseln auf unserem Grundstück gepflückt haben, um Suppe daraus zu kochen, ein anderes mal für Brennnesselpfannkuchen.

Es gab dazu ein Brennesselsuppenlied, was die Kinder auch in Kochmontur gespielt haben.

In der Wissenschaftlermappe gibt es Fotos von dem/der Brennnesselsuppenkoch/köchin, gepresste Brennnesselblätter, das Rezept und den Text vom Lied.

Durch das ständige Erinnern durch die Wissenschaftlermappe lieben die Kinder Brennnesseln.

Eines Tages hörten wir, dass an der Straße die Ränder freigeschnitten wurden. Wir ErzieherInnen kamen auf die Idee, dass wir die Arbeiter doch bitten könnten, bei uns mal eben die Brennnesseln zu schneiden. Als die Männer sehr hilfsbereit anfingen, unsere Brennnesseln zu mähen, gab es einen Zwergenaufstand, als wenn wir sie gebeten hätten, unseren Gemüsegarten zu rasieren. Wir mussten die Männer wieder wegschicken und einsehen, dass wir, die ErzieherInnen die „Heiligkeit“ der Brennnesseln noch nicht so verinnerlicht hatten, wie unsere Kinder.

Das Projekt Wissenschaftlermappe ist für uns zur Zeit die wirkungsvollste Möglichkeit, Bildung zu dokumentieren, weil sie die Kinder immer wieder zum Nach-Sinnen anregt und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Zum Nachsinnen sollen auch unsere Lied- und Gedichtmappen einladen, die wir zu unseren Weihnachtsfeiern erstellen. Fotos, Gemaltes, Geschichten, Lieder und Wünsche werden schriftlich festgehalten und tragen uns mit Freude in das neue Jahr.

Selbstverständlich tauschen sich die ErzieherInnen während der wöchentlichen Teambesprechungen über die Entwicklung der einzelnen Kinder aus. Unterstützend, damit kein Bereich vergessen wird, benutzen sie einen Entwicklungsbogen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes..

Am letzten Kindergartentag bekommen die Kinder einen Abschiedsbrief, der ihre Persönlichkeitsentwicklung während der Kindergartenzeit noch mal dokumentiert.