Partizipation und Beschwerdemanagement

Die Mitbestimmung der Kinder beginnt mit ihrem ersten Kindergartentag. Die Wickelsituation erfolgt nie ohne das Einverständnis des Kindes. Es hat das Gefühl, Teil eines Teams zu sein und nicht ein Objekt, welches Handlungen über sich ergehen lassen muss. Die Kinder können mitbestimmen wann und wie sie sich zurückziehen, wann was und wieviel sie essen möchten. Ob sie alleine oder mit Partnern spielen. Auch werden sie einbezogen in die Auswahl der Plätze. In den Kreisen haben die Kinder die Möglichkeit den Inhalt mit zu gestalten. Besonders an ihrem „Ehrentag“, dem Geburtstag, bestimmt das Kind den kompletten Verlauf der Feier bis hin zur Auswahl des Platzes.

In seiner Individualität entwickelt das Kind mit zunehmendem Alter immer mehr Kompetenzen. Damit erweitert sich das Repertoire an Mitbestimmungsmöglichkeiten. Die Kinder bestimmen z.B. ob sie an der gemeinsamen Übernachtung teilnehmen. Das Vertrauen in das eigene Körpergefühl ist meist soweit entwickelt, dass das Kind in der Lage ist, selbst zu bestimmen, ob und wann es seine Jacke, Buddelhose… ausziehen kann. Die Kinder bestimmen, welche Utensilien mit in den Wald genommen werden (Pferdeleinen, Schnitzmesser, Bestimmungsbücher…)

In der Zeit, die wir am Platz sind, haben die Kinder die Wahl, ob sie sich im Bauwagen oder draußen aufhalten möchten.

Sie erfahren das ihre Impulse und Ideen zu Projekten ernstgenommen werden und sie an der Umsetzung maßgeblich beteiligt sind. Zeit, Dauer und Intensität der Projekte wird vom Interesse der Kinder vorgegeben.

Die Vorschulkinder, bei uns“ Kräuterzwerge“ genannt , wählen aus Themenvorschlägen demokratisch die Reihenfolge der Projekte. Den Höhepunkt der Partizipation erleben die Kinder bei uns in der Gestaltung ihrer Abschiedsfeier. Sie inszenieren ein Theaterstück. Der Inhalt des Stückes spiegelt ihre Projekte wieder. Angefangen vom Drehbuch, dem Bühnenbild, der Kostüme bis hin zur Aufführung bestimmen die Kinder ihr großes Finale.

Durch die Partizipation ergibt sich in unseren Augen eine Atmosphäre, in der es für Kinder möglich ist, ihre Befindlichkeit zu äußern. Zum Ausklang des gemeinsamen Tages hat jedes Kind und jede Erzieherin die Möglichkeit im Abschlusskreis die eigene Befindlichkeit zu äußern. Wir nehmen uns einen Moment Zeit, in uns hinein zu spüren ob wir einen „guten“ oder einen „nicht so guten“ Tag hatten. Aus einem Körbchen nehmen wir einen Stein und legen ihn auf einen Teller mit einem Smily, entweder mit einem fröhlichen oder einem traurigen Gesicht. Wir Erzieherinnen dokumentieren dies in einer Liste, um einen Einblick zu bekommen, ob die Stimmung z. B. von einem bestimmten Platz, einem bestimmten Wochentag, dem Fehlen eines bestimmten Kindes abhängt. In diesen Runden können wir alle auch Kritik, sowohl positiv als auch negativ äußern. Zitat eines fünfjährigen Kindes: „Ich hätte so gerne mal einen „nicht so guten Tag, aber ich erwische keinen!“