Sprechen und Hinhören

Sprechen und Hinhören

Weil es Freude macht, und nebenbei auch noch beide Gehirnhälften trainiert und koordiniert, machen wir sehr viele Fingerspiele. Silbenklatschen und Silbenzählen, Vorläuferfertigkeiten zum Schreiben, setzen wir spielerisch ein, zum Beispiel unterwegs, wenn wir eine Kinderreihe machen: Kinder mit einer Silbe stehen vorne, die mit zwei Silben dahinter, usw. Manchmal gehen auch Kinder gemeinsam, deren Namen mit demselben Anfangsbuchstaben anfangen oder mit der gleichen Silbe. Die Kinder finden das spannend und lustig und werden so spielerisch aufs Schreiben und Lesen vorbereitet.

Wir lassen Geschichten erzählen und nacherzählen, um die Merkfähigkeit, die Konzentration und den Wortschatz zu fördern. Die Kinder lernen nicht nur sich auszudrücken, sondern auch ihre rhetorischen Fähigkeiten zu üben, um ihre Zuhörer zu interessieren und zu fesseln.

Andererseits hören sie den anderen Kindern auch gespannt zu, stellen Rückfragen, interessieren sich für Details, geben Kommentare ab, bringen ihre eigenen Erfahrungen und Gedanken ein.

Wir singen viel und gerne, laut und leise, deutsch und interkulturell, schräg und richtig, und lernen viel dabei.

Der Wald, eine sich ständig verändernde Umgebung, fordert Sprache heraus. Kinder sehen etwas, was es gestern so noch nicht gegeben hat, überprüfen, ob sie dafür schon einen Begriff haben, wenn nicht, versuchen sie ein Wort zu schaffen, dass das Gesehene, Gehörte, Erlebte, treffend beschreibt, besprechen sich untereinander, geben Erklärungen ab, trainieren also andauernd spielerisch ihr Sprachzentrum.

Dadurch, dass der spielzeugfreie Wald zu vielen Spielideen einlädt, entwickeln die Kinder ihr Spiel frei, verbalisieren und diskutieren Spielregeln. Die Kinder fassen ihre Ideen in Worte und zwar möglichst so, dass andere Kinder diese auch verstehen, mit einsteigen können, begeistert aufgreifen, oder aber andere Ideen formulieren. Die Kinder üben sich spielerisch in Rhetorik. Aus einer Idee wird ein elaborierter Plan, an dem die ganze Gruppe teilhaben kann.

Unbefangenes Sprechen vor der Gruppe ermöglicht der tägliche Morgenkreis, der die Gelegenheit bietet, die Gesamtgruppe an Gedanken und Erlebtem teilhaben zu lassen, ohne die Reaktionen des Publikums vorhersagen zu können. Das erfordert nicht nur Sprachkompetenz, sondern auch ein hohes Maß an Selbstbewusstsein und Frustrationstoleranz. Wenn die Geschichte nicht so ankommt, wie gedacht, müssen die Kinder auf die unvorhergesehene Situation reagieren und schnell eine neue Erzählstrategie entwickeln.